Als Gründer Fördermittel in Deutschland beantragen [Advanced]

Nach meinem ersten Beitrag über Fördermittel in Deutschland [Easy] mit Informationen über Mikromezzanin und das EXIST-Gründerstipendium folgt hier ein Erfahrungsbericht über die deutlich schwer zu erhaltende Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Selbstkritisch muss man dabei sagen, dass wir beim Einwerben einer Kreditaufnahme durch die KfW über ein Jahr hinweg zahlreiche Fehler gemacht haben, bevor wir schlussendlich in den Genuss einer Finanzierung mit Haftungsfreistellung durch die Staatsbank kommen durften. Hier ist nämlich genau das Hauptproblem zu lokalisieren.

Wie fördert die KfW überhaupt

Um den Ablauf zu verstehen muss man die Mechanik dahinter sehen. Denn was ist ein Kredit überhaupt? Ein Kredit ist zunächst einmal Liquidität die es zu steuern gibt. Möchte man als junges Unternehmen z.B. ein Produkt für 100 Taler vorfinanzieren, dass ein Handelskonzern nach erfolgreicher Produktion und Auslieferung für 300 Taler abzunehmen gedenkt, dann ist das ein klassisches Handelsgeschäft. In dem Fall, dass das junge Unternehmen die 100 Taler jedoch nicht aufbringen kann, kann es auch keine 300 Taler umsetzen bzw. 200 Taler verdienen. Also ruft es bei der Bank oder Sparkasse an. Als Finanzinstitut hat sie Geld von ihren Privat- und Geschäftskunden anvertraut bekommen. Es ist quasi ein großer Pool an Liquidität, der für externe Dritte verwahrt wird. Glaubt die Bank an das Vorhaben des jungen Unternehmens, so wird sie ihm vermutlich die 100 Taler ausleihen, um danach z.B. 105 Taler zurück zu erhalten. Eine einfache Geschichte für alle Seiten. Die Bank hat jedoch zwei Hauptprobleme: Erstens kann das junge Unternehmen in seiner Phase noch so instabil sein, dass die 200 verdienten Taler gar nicht zur Finanzierung des Geschäftsbetriebes reichen bzw. in einem anderen Bereich zu viel Verlust gemacht wird. Das junge Unternehmen geht pleite. Die Bank erhält die Liquidität also nicht zurück, die es seinen Endkunden versprochen hat, zuverlässig aufzubewahren. Diesen Haftungsfall gilt es also abzusichern. Zweitens besitzt auch die Bank keinen unbegrenzt großen Topf an Talern, sondern nur so viel, wie man ihr anvertraut hat und wie viel nicht fest bereits angelegt ist. Die Bank muss also auch versuchen, seine Liquidität zu steuern und zu optimieren. Beide Probleme kann die KfW für die Bank lösen. Grundsätzlich kommuniziert und arbeitet die KfW nämlich nur mit Eurer Bank oder Sparkasse, nicht mit Euch direkt. Voraussetzung für eine Finanzierung der KfW ist also, dass ein Kreditverfahren von Eurer Hausbank genehmigt wird oder bereits wurde. Zur Absicherung seiner Liquidität kann die KfW zwei Dinge tun: Einen Haftungsausfall übernehmen, im Prinzip also eine Art staatliche Bürgschaft für den Kreditausfall, sowie die Liquidität aus seinem eigenen Fonds der Bank zur Verfügung stellen. Die dem jungen Unternehmen kreditvergebende Bank kann ihr Risiko also minimieren bzw. sich die Liquidität selbst überweisen lassen.

Was muss man also tun für den Erhalt von Fördergelder der KfW

Die wichtigste Information ist: Man benötigt die bereits existierende, positive Kreditvergabe der eigenen Hausbank. Da junge Unternehmen oft noch nicht über ausreichende Jahresabschlüsse oder Gewinne irgendeiner Art verfügen, fällt es den Banken oft schwer, dorthin Geld zu verleihen. In nahezu allen Fällen können auch die Gründer selbst nicht wissen, ob ihr Vorhaben Erfolg haben wird. Wünschenswert ist es für alle Seiten natürlich, garantieren kann es jedoch keiner. Somit sind Banken mit Kreditvergaben sehr vorsichtig. Das ist auch nötig, schließlich möchte auch keiner von Euch einen Brief erhalten, in dem steht, dass das Privatkonto leider kein Guthaben mehr aufweist, da alles Geld an insolvente Unternehmen verliehen wurde und leider weg ist.

Der wichtigste Faktor ist: Ob die begleitende Bank an das Gesamtvorhaben glaubt. Die bisherige Hausbank meiner eigenen Firma hat sich trotz Auftritten bei DHDL und enorm positiver Umsatzentwicklung in jedem Gespräch sehr skeptisch gezeigt, ob eine Modefirma im Internet überhaupt Bestand haben kann, und wenn ja, ob es einen Männermodenmarkt geben kann. Ich habe diese Gespräche eher wie ein Gespräch mit Investoren gesehen, den man durch die richtigen Argumente pitchen und überzeugen kann. Das war jedoch ein Irrtum. Unsere Hausbank im Stadtgebiet Bonn hat uns die ersten 15 Monate unseres Bestehens leider nie gefördert oder mit Krediten unterstützt. Im Gegenteil, eine zunächst existierende Linie iHv. € 60k wurde nach Vergabe einige Wochen später kurz vor dem Weihnachtsgeschäft sogar wieder gestrichen.

Die drei großen Fehler die wir gemacht haben

Die größten Fehler die wir gemacht haben waren: I. Der Versuch eine enorm große Bank von uns zu überzeugen. II. Nicht zu verstehen welche Faktoren eine Bank aus ihrer Erfahrung heraus gerne fördert. III. Sich selbst nicht ausreichend zu informieren über mögliche Fördermittel weil „die das schon richtig machen werden“.

I. Wie im ersten Abschnitt beschrieben, vergeben Banken Kredite aus ihrer eigenen Liquidität. Als junger Gründer hatte zumindest ich die Idee, dass eine Bank mit einer Bilanzsumme mehrerer Milliarden Euro vermutlich keine Sorgen oder Probleme hat, ein Vorhaben mit € 100-200k zu finanzieren. „Solche kleinen Summen gehen dort bestimmt unter“. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Große Banken vergeben enorm große Kredite und überheben sich hierbei auch schnell. Einige Sparkassen mussten ihre Bilanzsummen in kurzer Zeit enorm verkleinern und z.B. Großkredite aufzugeben, um einer dauerhaften Kontrolle der EU Kommission zu entgehen. Unsere lokale und sehr große Bank benötigte z.B. Kapitalzuflüsse in Form von stillen Einlagen durch die beteiligten Kommunen und betätigte sich sehr verlustreich in zahlreichen eher dem Investment Banking zugeordneten Aktivitäten. Keine gute Voraussetzung, um lokale und kleine Unternehmen zu fördern wenn die Hütte brennt. Als junges Unternehmen mit einem hohen Risikoprofil und weniger als drei Jahresabschlüssen waren wir dort falsch.

II. Online Business ist Neuland. Faktisch gibt es Handelsgeschäfte seit tausenden von Jahren. Wer im alten Griechenland reich werden wollte, importierte Getreide aus Ägypten. Im Mittelalter handelte man mit Gewürzen. Im Rahmen der Industrialisierung handelte man mit Partialgütern die, einmal zu einem größeren Gesamtprodukt zusammengesetzt, insgesamt teurer verkauft werden konnten. Im Endeffekt ist Handel eines: Billiger Einkaufen als man verkauft. Online Geschäfte gibt es faktisch erst seit ca. 15 Jahren. Ernstzunehmende Umsatzgrößen erreichen die Onlineunternehmen erst seit weniger als 10 Jahren. Zalando ist nicht einmal seit 5 Monaten größter Handelskonzern Deutschlands. Es ist im Verhältnis also Neuland und somit sehr schwierig zu bewerten. Denn schließlich verlieren auch VCs auf der ganzen Welt Millionen und Milliarden jeden Monat mit falschen Investments. Diese sind jedoch mit hohem Risikoprofil am Markt unterwegs und Verluste sind klar kommuniziert. Sie sind natürlich unerwünscht aber dennoch kalkuliert. Eine Bank kann mit den Einlagen ihrer Kunden nicht derartig arbeiten. Eine Bank von diesem Onlinegeschäft überzeugen zu wollen, war also von uns schlicht die falsche Strategie.

III. Im ersten Anlauf – unser Unternehmen waren etwa 15 Monate alt – versprach unsere lokale Bank eine KfW-Förderkreditvergabe iHv. € 100k. Eingereicht wurde von unserer Seite hierfür ein Business Plan (schriftliche Ausführung unserer Vorhaben: Der Plan die #1 für Herrenaccessoires in D-A-CH zu werden), eine Liquiditäts- und Rentabilitätsübersicht auf drei Jahre in Excel sowie eine Übersicht der Kostenstruktur: Gehälter, Marketing Ausgaben, Einkaufs- und Verkaufspreise (EKs / VKs). Dieser Plan wurde von unserer damaligen Hausbank geprüft und für gut befunden. Voraussetzung für die Bank sollte in der Kreditvergabe jedoch die 80%ige Absicherung über die KfW sein. Die kreditvergebende Bank würde also nur zu 20% für ihre Liquidität haften. Vorab wurde uns eine Kreditlinie iHv. € 60k eingeräumt, die wir für den Warenkauf im Weinachtsgeschäft nutzen können sollten – viel Geld für unsere junge Firma damals. Die Haftungsfreistellung der KfW kam jedoch nicht zustande, die Kreditlinie umgehend gestrichen. Innerhalb einer Woche sollte die Liquidität von uns zurückgeführt werden, kurz vor Weihnachten eine Katastrophe. Wie kam es jedoch dazu? Die KfW stellt über 300 verschiedene Förderprogramme zur Verfügung, alle maßgeschneidert für bestimmte Unternehmen mit bestimmtem Fokus in bestimmten Größen. Die Bank hatte bei der KfW schlichten für uns unpassendes Förderprogramm gewählt, in dem alle unsere Investoren privat mithaften sollten. Das wäre jedoch nie nötig gewesen, wäre das korrekte Programm beantragt worden. Hierbei haben wir uns zu passiv verhalten, und ein wenig gutgläubig darauf vertraut, dass „man schon alles korrekt beantragen wird“. Die Lehre: Vertrauen ist gut, Kontrolle wäre besser gewesen.

Die eigene Aufnahme von Fördermitteln

Was haben wir aus unseren Fehlern gelernt und wie kamen wir schlussendlich doch an Fördermittel?

Im Herbst 2016 habe ich auf einer Promo-Veranstaltung im Modehaus Johann (Remscheid) die obige Geschichte in Kurzform erzählt. Anwesend waren zahlreiche Gründer, Vertreter der IHK sowie der Sparkasse. Die dortige Sparkasse Remscheid kam noch am selben Tag auf uns zu und vermittelte uns erfolgreich innerhalb von wenigen Wochen einen passenden KfW-Kredit iHv. € 250k In einem gänzlich unkomplizierten Prozedere sowie einem sehr netten Besuch. Die feine wie kompetente, und im Verhältnis zu unserer bis dahin betreuenden Institution deutlich kleinere Bank, hatte möglich gemacht, wofür der deutsche Staat und die KfW aufgerufen sind: Ein junges und innovatives Unternehmen zu fördern, Arbeitsplätze zu schaffen, den Handel zu fördern.

Was hatten wir dieses Mal anders gemacht bzw. wie hat unsere Fehleranalyse dieses Mal zu mehr Erfolg geführt:

I. Die deutlich kleinere Sparkasse Remscheid hat so gut wie keine Kreditausfälle in ihrer Bilanz und ist wirtschaftlich enorm solide. Ihre Jahresgewinn ist im Verhältnis zur Bilanzsumme mehr als 4x so hoch wie das unserer vorherigen Hausbank. Sie ist also in der Lage, auch einmal ein Risiko einzugehen. Zudem kam sie mit Interesse an unserem Produkt und unserer Arbeitsweise zu uns.

II. Die Verwendung der Mitte sollte für den Aufbau unseres ersten eigenen (Offline) Stores sein. Ein Geschäftsfeld, das für eine Bank besser zu überblicken ist. Zudem die Erweiterung von Produktgruppen wie z.B. um Hemden in unseren Großhandelspartnern.

III. Die genaue Analyse und gemeinsame Absprache, welches Förderprogramm der KfW ideal für uns als junges Unternehmen passt. Die korrekte Auswahl des Programmes führte zu einem sehr schnellen wie positiven Entscheid sowohl unserer Sparkasse Remscheid als auch der KfW.

Übersicht der von uns eingereichten Unterlagen

I. Kurze Präsentation als PowerPoint der drei cash allocations: Geplante Produktgruppen, Erweiterung von Einzelhandelsflächen sowie Aufbau eines eigenen Ladens. Alle drei Bereiche mit den jeweiligen Metriken wie z.B. die EKs/VKs der Produkte, Durchschnittsumsätze pro Handelsfläche, erwartete Ausgaben und Einnahmen im direct retail. Diese Präsentation haben wir als kurze Einführung in die Gesamtthematik und mit Informationen wie für einen außenstehenden Dritten aufbereitet. Schließlich ist der Sachberater nicht automatisch bewandert in den Metriken eines Modeunternehmens mit Schwerpunkt Onlinegeschäft.

II. Eine Dreijahresplanung unserer Liquidität sowie Rentabilität auf Monatsbasis. Das Problem des Händlers ist stets: Der Einkauf von Ware ist bilanziell ohne Auswirkung. Wenn man Geld gegen Ware tauscht, ist die eingekaufte Ware schließlich mindestens so viel wert wie der dafür bezahlte Preis. Kauft man für 100 Taler eine Tonne Backsteine, ist der Wert jeweils der selbe. Vorher konnte man 100 Taler als Aktiva ausweisen, danach eine Tonne Backsteine im Wert von 100 Talern. In der Dreijahresplanung gilt es also Liquidität und Rentabilität gegenüber zu stellen und zu zeigen, dass man rentabel arbeiten kann, die Liquidität jedoch gepuffert bekommen muss.

III. Eine detaillierte Liquiditätsübersicht der drei Investitionsbereiche als Exceldokument mit den exakten Metriken z.B. des Stores (foot fall, AOVs, margin shares, interieur invest, stock invest) oder der neuen Produktgruppen. Diese Daten dienten als Grundlage für Punkt II.

IV. Ein klassischer Business Plan mit Vorstellung der Geschichte, Mitarbeiter und Plänen der Firma, eine genaue Erläuterung beider oben genannter Exceldokumente, Verweise in diese. Unser Dokument umfasste ca. 80 Seiten.

V. Alle vorhandenen Jahresabschlüsse sowie der aktuellen BWAs. Wir haben die Förderung in einer Phase beantragt, in der wir zwei Quartale sehr profitabel gearbeitet und den vorher bestehenden Jahresverlust ausgeglichen hatten. Dies war für eine Förderungen in dieser nicht mehr unerheblichen Höhe sehr hilfreich um zu zeigen, dass das Geschäftsmodell schon im 3. Geschäftsjahr rentabel geführt werden kann.

Fazit

Eine Förderung durch Steuergelder über die KfW ist möglich, jedoch mit viel Aufwand und etwas Recherche verbunden. Zudem ist der richtige Partner zur richtigen Zeit von Nöten. Wir freuen uns, diesen mit der Sparkasse Remscheid inzwischen gefunden zu haben, und ich wünsche jedem, der noch auf der Suche ist, diesen auch bald zu finden. Bonne chance.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.