Metamórphosis Trumpos – Der präsidiale Turnaround ausgedrückt durch Mode

Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee der Welt, weitestgehend mit den Rechten eines deutschen Kanzlers und Bundespräsidenten in Personalunion ausgestattet, Repräsentant einer neuen Politikform der closed borders – tritt am 1. März 2017 zu seiner ersten Ansprache vor dem neu konstituierten US-Kongress auf die Bühne. Monate des Wahlkampfes und der Polterei sind vorüber. Inhaltlich wird die Rede mit Erstaunen wahrgenommen: Der Präsident klingt erstaunlicherweise nahezu präsidial. 7 von 10 Amerikaner sehen ihren Optimismus durch die Ansprache gestärkt. Aber was sind die Symbole, die der mächtigste Mann der Welt nutzt, um seine inszenierte Veränderung auszudrücken?

Erinnern wir uns an die Wahlkampfauftritte von Donald Trump. Viele Details fallen im Einzelnen nur dem geübten Beobachter auf, im Gesamtauftritt lassen sie aber auch dem modisch nur mäßig interessierten Zuschauer die Gesamtperson Trumps als sackartig wahrnehmen. Ein Bild von Trump, wie er im Wahlkampf hauptsächlich gesehen wurde und noch in seiner Inauguration am 20.01.2017 aufgetreten ist:

Quelle: Chicago Tribune

Die rote Krawatte hängt weit über den Gürtel in den Schritt. Die Ärmel des Sakkos hängen bis zum Daumen herunter (eventuell eine Reminiszenz an seine deutschen Vorfahren die eine solche Länge bis heute bevorzugen); Die Manschette des Hemdes ist somit vollständig verdeckt. Die einzigen beiden Lichtblicke: Der Hemdkragen ist ein sehr enormer Kent-Schnitt, passend für die große Halsweite, vermutlich ein italienischer Schneider / Schnitt. Das Sakko ist immer mit einem übergroßen notch lapel versehen, also der 75° und 90° Schnittkante zwischen Revers und Kragen des Anzugs. Dies ist ebenfalls ein beliebtes Stilelement italienischer Schneider und z.B. von Silvio Berlusconi durchgehend zur Schau getragen. Insgesamt erhält The Donald maximal eine sartoriale 4- als Gesamtnote. Wer sich hier schon freut: Zu groß sind die Steine im eigenen Glashaus der Bundesregierung, als dass wir Deutsche uns zu sehr darüber erheben sollten.

Und nun, keine zwei Wochen später, der 01.03.2017. Die Veränderungen sind enorm und vermutlich durch den dankenswerten Einfluss eines Schneiders oder Stilberaters entstanden:

Quelle: CNN / Getty

Die Doppelmanschette mit Manschettenknöpfen als deutlich elegantere Variante der Sportmanschette schaut ordentliche 2 cm aus dem Sakkoärmel heraus. Die „Red Power Tie“ ist ersetzt worden durch ein königsblau-weiß gestreiftes Modell, das ebenso wie vorher durch einen doppelten und eng gezogenen Windsor-Knoten symmetrisch im ebenso beibehaltenen fast schon modischen Kent-Kragen platziert wurde. Vermutlich bindet er seine Krawatten nicht selbst, da diese enge Form des Windsors sehr viel Geduld benötigt – für die DJT nicht unbedingt bekannt ist. Gesamtnote: 2+ (aber auch nur im Staatsoberhäupter-Vergleich).

Die inhaltliche Veränderung tritt im Einklang mit der äußeren Veränderung auf. Der Präsident wirklich aufgeräumter und gesetzter, ist weniger flashy im Gesamtauftritt. Danke an den unbekannten Stilberater.

Politischer Nachtrag

In deutschen Medien wird nervös gelacht über den verweigerten Handschlag Donald Trumps beim Besuch von Kanzlerin Merkel. „So lacht das Netz“  ist der mediale Tenor. Doch was ist die wahre Symbolik dahinter, die ausländische Medien durchgehend wahrzunehmen fähig sind? Was verrät ein nüchterner Blick von weiter außen auf das Geschehene?

In der kommenden Woche ist der chinesische Präsident Xi Jinping von Trump eingeladen – nicht auf einen Kurzbesuch ins Weiße Haus, sondern auf eine ausgiebige Visite in sein privates Resort Mar-a-Lago nach Florida. Die Bilder werden freundschaftlich wie relaxed sein. Es wird Drinks unter Präsidenten geben. Die Inszenierung einer Beziehung auf Augenhöhe. Der Unterschied zwischen den beiden Besuchen wird größer nicht sein können. Die Botschaft dahinter zu interpretieren, ist jedem selbst überlassen. Denn genauso wie das veränderte Auftreten und das Weglassen der roten Krawatte kein Zufall ist, ebenso ist auch jeder andere Schritt des US-Präsidenten nicht ohne gewollte Aussage geplant.

Der Besuch: Trump trägt nach wie vor Querstreifen, großen Kent-Kragen und zur Hemdmanschette passende, gekürzte Sakko-Ärmel. Breitbeinig sitzt er der Weltpresse gegenüber. Merkels Füße sind von der Presse zur Hälfte abgewandt, ihre Haltung ist verschränkt, die Hände liegen schützend vor dem Bauch. Ein Auftreten wie es unterschiedlicher nicht sein könnte.

Quelle: Business Insider UK
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