Wussten Sie’s? Opels Verlust ist seit Jahrzehnten 4x so hoch wie der von Tesla

Wenn man ein Paradebeispiel für Tendenzberichterstattung in deutschen Zeitungen anschauen möchte, sollte man sich den Grundtenor im Vergleich Opel und Tesla anschauen. Wenn man auf deutschen Zeitungen nach den Gesamtverlusten sucht, die Opel die letzten Jahre angesammelt hat, wird man schwer fündig. Sehr viel soll es gewesen sein, so sind sich alle einig. Die Stimmung ist: Jetzt wo das neue Marketing so toll ist, muss man diese Perle deutscher Automobilindustrie doch nicht mehr verkaufen. Aber wie hoch sind die Zahlen abseits von den Marketingrauchbomben? Informationen liefert – wie häufig – eine englischsprachige Suche. In amerikanischen Zeitungen ist man etwas transparenter, schließlich macht man dort im Tenor die europäische Marke Opel für eine Schlechterrechnung des ansonsten sehr guten Ergebnis der amerikanischen Mutter GM verantwortlich. Aber wie hoch war der Verlust von Opel jetzt genau?

Teslas Verlust im Zeitraum 2008-2015 – nahezu täglich in den deutschen Zeitungen beschrien –  betrug genau $ 2.973 Mio. $ 3 Mrd. klingt nach viel Geld, oder?

Opels Verlust in gleichen Zeitraum betrug $ 13.588 Mio. Also das 4.5-fache. In den letzten 17 Jahren (so lange gibt es Tesla noch gar nicht) waren es sogar $ 20 Mrd. Das 6.7-fache des in seiner gesamten Geschichte eingefahrenen Verlusts von Tesla.

Während Deutschland hinter Amerika und Japan in Sachen Elektromobilität herhinkt, bauen Amerika und Japan das Auto der Zukunft. Um die Unterschiede in den Bereichen Innovation und Wachstum von Tesla vs. Opel zu verstehen, muss man kein Wirtschaftswissenschaftler sein.

Das Sorgenkind Opel ist nun final verkauft worden. Während der FAZ den niedrigen Kaufpreis von $ 1.3 Mrd. kaum fassen kann und kurzerhand in seiner Berichterstattung um $ 900 Mio. überhöht, dürfte jedem ersichtlich sein: Der Kaufpreis wird problemlos sowohl die Aktiva der Adam Opel AG als auch einzelne Posten wie Cash on Hand oder Short Term Receivables deutlich übersteigen. Es ist also nicht mehr als ein Symbolpreis. Und mehr als ein Symbol dürfte auch nicht die Arbeitsplatzgarantie bis 2018 nicht sein – schließlich plant man mit einer Profitabilität nicht vor 2020. Dass diese beiden Ereignisse direkt miteinander zusammenhängen dürfte eindeutig sein, mit der Übernahme werden schließlich zahlreiche Doppelstrukturen geschaffen und die Mitarbeiterkosten sind die einzigen Sparmöglichkeiten des neuen Inhabers.

Was bleibt? Die Erkenntnis dass deutsche Zeitungen lieber einen veralteten, uninnovativen aber dafür deutschen Autobauer hochloben wo sie nur können, gleichzeitig aber nicht sehen was in der wirklichen Welt passiert. GM erwirtschaftete letztes Jahr $ 12 Mrd. Vorsteuergewinn. Denkt die taz wirklich, GM interessiert Opel, dessen Umsatz unter GMs Gewinn liegt und das seit 17 Jahren umprofitabel ist? Während Mercedes die erste und letzte deutsche Batteriezellenfabrik schließt und erstmalig sowohl Batterien als auch Antrieb von Tesla in seine Elektroautos verbaut, wird auf der anderen Seite des Teichs die Zukunft erschaffen. In einer Dimension, in der wir verlernt haben zu denken.

Update: Neben dem offiziellen Kaufpreis ist im offiziellen GM Bericht noch eine Sache auffällig. GM behält nicht nur einen Großteil der Pensionsverpflichtungen in seiner Bilanz (die den Kaufpreis deutlich übersteigen sollten), es übergibt auch noch $ 3 Mrd. an Verbindlichkeiten an PSA, die GM aber selbst finanziert. Es vergibt also einen Kredit. Somit hat – zumindest aus Cash-Sicht – General Motors an PSA noch dafür bezahlt dass es Opel endlich übernimmt.

Liebe ZEIT ONLINE: ein kurzes Feedback

Die ZEIT versucht sich als Stilberater. Und beweist genau, wieso in Deutschland für den Mann modisch noch viel getan werden muss.

Mein bescheidener Beitrag in diesem Blog dient als kurzes Feedback zu Eurem großen Berg Nonsense, den ich gestern von einem Freund zugeschickt bekomme habe, und der mich bewegt hat, diesen Blog wieder zu reaktivieren. Greifen wir einmal die schlimmsten Zitate auf.

I “Mit einem Binder mit monochromem Webmuster wie etwa diesem von Boss kann man kaum etwas falsch machen.”

Mit monochromen Webstoffen als Krawatte kann man sehr viel falsch machen, sie sind nämlich seit Jahren out und dass Hugo Boss sie (als einer der einzigen) noch anbietet, ist genau der Beweis dafür. Was wirklich derzeit ein großes Comeback feiert: Woll- und Grenadine-Krawatten. Bei diversen Modehäusern von uns immer auf Platz 3-5 der best-seller.

II “In gewisser Weise muss man Trump aber in seiner abschreckenden Vorbildfunktion dankbar sein: Rot glänzende Krawatten etwa sind nun endgültig untragbar geworden”

Sich über Donald Trumps rote Krawatten aufzuregen ist vielleicht gerade trendy, Rot als “Machtfarbe” und favorisierte Krawattenfarbe tragen aber nicht nur Barack Obama, Tony Blair, Warren Buffet oder auch die letzten drei sowie der amtierende deutsche Außenminister. Sie ist nahezu allgegenwärtig. Etwa weil Manager und Politiker zu doof sind? Bei einer gängigen Google Bildersuche von DJT findet man überigens mindestens so viele Bilder mit blauer Krawatte wie mit roter.

III “Die klassische Herrengarderobe lässt dem Mann, der sie als Berufsuniform zu tragen hat, ja keine großen Spielräume zur zweckfreien Dekoration seiner selbst.”

Ich empfehle einen Besuch in unserem Onlineshop www.vonfloerke.com.

Der Mann hat mindestens so viel Auswahlmöglichkeit wie eine Dame. Nur weil bei der ZEIT seit einem Jahrzehnt die beige Chino mit geknittertem Jeanshemd Bürouniform ist, muss man hiervon noch nicht auf den Zustand im Rest des Landes schlussfolgern.

IV “Außer der Krawatte gibt es ansonsten nur die Uhr als männliches Selbstdekorationsobjekt.”

Wir zählen gemeinsam: Manschettenknöpfe, Schleife und Fliege, Einstecktuch, (farbige) Socken, hochwertige rahmengenähte Schuhe, Taschenuhr, Gürtel und Hosenträger, seit neuestem zahlreiche Armbänder. Und das schönste Accessoire gemeinhin ist sowieso die Begleitung einer hübschen Dame. Wenn Sie hier keine Auswahl drin erkennen, liegt es vermutlich nicht an der Auswahl.

V Zegna als Beispiel für dezente, zurückhaltende Krawatten

Gerade Zegna ist für alles bekannt, was nicht dezent ist. Waren Sie jemals in Italien und haben die dortige Männermode beobachten dürfen? Hier ein paar Modelle der aktuellen Saison aus dem Hause Z:

http://shop.nordstrom.com/s/ermenegildo-zegna-medallion-woven-silk-tie/4533147

http://shop.nordstrom.com/s/ermenegildo-zegna-paisley-silk-tie/4312173

VI Der einfache Windsor als “Idiotenknoten”

Es ist nicht ganz klar, ob Sie den Begriff “Idiotenknoten” auf den halben Windows beziehen, oder wie ich vermute, sich auf den vermutlich gängigsten Knoten der Welt: den Four-in-Hand. Am wahrscheinlichsten ist, dass Sie es selbst nicht wissen. Als Erkenntnis bleibt jedoch: Kein Krawattenknoten ist für einen “Idioten” gemacht, er muss schlichtweg zum Kragen und dem Gesamtauftritt passen.

Gesamteindruck

Wie es scheint, hat der Autor dieses Artikels vor allem selbst ein großes Problem: Er fürchtet sich enorm vor Farbe, und repräsentiert damit leider ungewollt einen großen Teil der deutschen Männer. Lieber Herr Peitz, vermeintliche Modefachleute wie Sie sind der Grund, wieso ich jeden Morgen früh aufstehe – um die Welt ein wenig bunter und stilsicherer zu machen.

Zwei Nachworte

Vermutlich hat Ihnen die Redaktion verboten, Hugo Boss noch häufiger zu erwähnen. Die Qualität dieses Herstellers hat sich jedoch schon vor einigen Jahren von seinem Preisniveau losgekoppelt und ist nicht mehr empfehlenswert.

Ihr Eingangsbild zeigt schwarzen Anzug mit schwarzer Krawatte. Falls Ihr Model nicht hauptberuflich Bassist und unterwegs zu seiner Jazz-Aufführung ist, oder seine tote Großmutter beerdigen fährt, ist schon das erste Bild des „Stilratgebers“ ein absolutes No-Go.